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Psychologie und Laufen für nachhaltige Gesundheit

Nachhaltig gesünder.

Die Nacht der Läufer und LäuferINNEN

 

Mein Gatte behauptet ja manchmal, ich sei süchtig. Süchtig nach Ombar-Schokolade, nach Laufen und nach Weiterbildung. Also war das zurückliegende Wochenende für mich so etwas wie die volle Dosis Suchtmittel. Denn es stand für mich ganz im Zeichen der „Runners‘ Night“ in Köln, wo ich nicht nur Neues zum Thema Laufen gelernt habe, sondern auch selbst gelaufen bin – wenn auch anders als zuvor geplant – sowie eine Menge Ombar-Schokolade verputzt habe.

Schon die Anreise hatte es in sich, denn bei der Fahrkartenkontrolle stellte ich fest, dass mein Personalausweis, den ich als Identifikationskarte für das gebuchte Online-Ticket angegeben hatte, zuhause lag (streng genommen lag er in Berlin auf der KfZ-Zulassungsstelle, aber das ist eine andere Geschichte). Also stellte mir der nicht sehr freundliche, aber dafür umso angetrunkenere Bahnmitarbeiter ein „erhöhtes Beförderungsentgelt“ in Höhe von 158 EUR für das Fahren mit einem Onlineticket (für das ich ja auch schon 51 EUR bezahlt hatte) ohne dazugehörige Identifikationskarte aus. Weder geballter Charme noch demonstratives Aufschreiben seines Namens für potenzielle Beschwerden konnten den pflichtbewussten Herrn davon überzeugen, von den strengen Bahnregeln abzurücken. Zwar glaubte er mir durchaus, dass es sich bei mir tatsächlich um die Dame mit dem unaussprechlichen Doppelnnamen auf dem Onlineticket handelt, nachdem ich ihm meinen Führerschein und meine Krankenkassenkarte vorgelegt hatte. Aber zur vorgeschriebenen Vorgehensweise gäbe es zu seinem Bedauern leider trotzdem keine Alternative. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, kommentierte er auch noch das Foto auf meinem Führerschein mit „Da sehen se aber janz schön viel jünger aus…sind se det überhaupt?“ und das auf meiner Krankenkassenkarte, für das ich „unvorteilhaft“ noch geschmeichelt finde, mit „Ah, det ist aktuell, det sieht man, so sehen se auch aus“. Kurz fragte ich mich, ob meine nachhaltige Krankenkasse, die bkk advita, neben Naturheilkunde wohl auch Botoxbehandlungen und Traumatherapie nach negativen Erlebnissen mit Fahrkartenkontrolleuren zahlt. Aber dann dachte ich mir, wer braucht schon Botox oder Therapie, wenn er auch Schokolade haben kann. Und so fand die erste Tafel Ombar den Weg in meinen aufgeregten Verdauungstrakt.

Es sollte nicht die letzte bleiben, denn die Runners‘ Night ist bzw. war lang. Von 19 Uhr bis 23:30 gab es – wenn man mal von einer halbstündigen Pause absieht – nonstopp Vorträge. Zugegeben, Kreuzberger Nächte sind länger. Aber mir persönlich war das zu wenig Aktivität und vor allem zu lange nichts Anständiges zu futtern. Also in der Pause nix wie ab ins Hotelzimmer (selbstverständlich die fünf Etagen zu meinem Zimmer über die Treppe und in Maximalgeschwindigkeit) und dort Linsenstange mit Möhren-Apfel-Salat verputzen. Beides hatte ich mir in weiser Voraussicht vorher im Bioladen besorgt, da ich das Format der Veranstaltung schon vom letzten Jahr kannte. Danach noch einen Kaffee und dazu – Ihr ahnt es schon – die zweite Tafel Ombar. So gestärkt konnte es weiter gehen mit den Vorträgen.

Die ersten beiden hatte ich ja schon „verdaut“: Vom Mentaltrainer Dirk Schmidt erfuhr ich leider als Psychologin nicht viel Neues, konnte seinem lebendigen und sympathischen Vortrag „Gewonnen wird im Kopf“ aber trotzdem gut folgen und denke, dass andere Teilnehmer mit weniger Vorbildung in diesem Bereich einige gute Anregungen für den Einsatz von mentalen Strategien beim Laufen (ob im Training oder im Wettkampf) mitnehmen konnten. Und den Vortrag von Robert Wimmer kannte ich schon von einer Trainertagung bei Laufcampus, isofern waren die Aha-Effekte auch da nicht so riesig.

Aber die erste (und bisher einzige) Frau auf der Bühne der Runners‘ Night, Annemarie Flammersfeld, hat mir sehr gut gefallen – und mich zu neuen Laufprojekten angeregt (Ihr dürft gespannt sein). Souverän und sympathisch berichtete die international erfolgreiche Ultraläuferin von ihrer unglaublich schnellen „Berennung“ des Kilimandscharo. Eine Wahnsinnsleistung – und dann ist die Sportlerin auch noch nett und irgendwie bescheiden. Frau eben :-).

Auch von Dr. Ingo Froböse und seinem Vortrag „Laktat oder Lust“? war ich ganz angetan und positiv überrascht, denn ich dachte vorher, den finde ich doof. War dann aber überhaupt nicht so. Der braungebrannte und drahtige Arzt lieferte einen interessanten und humorvollen Vortrag ab, an dem mir insbesondere der Ansatz gefiel, sich weniger auf irgendwelche technischen Gerätschaften und auf die von diesen ausgespuckten Messwerte zu verlassen, sondern wieder mehr auf seinen Körper und dessen Signale zu hören.

Und dann natürlich das Highligt zu später Stunde: Mein Ausbilder und „Laufpapst“ Dr. Matthias Marquardt ließ die Zuhörer auf sehr witzige und selbstironische Weise daran teilhaben, wie er trotz unzähliger Verletzungsprobleme den Berlin-Marathon 2003 in 2:51 absolvierte – und das mit durchschnittlich 38 Wochenkilometern in der Vorbereitung. Also 38 Wochenkilometer kriege ich auch ohne Probleme hin. Aber zusätzlich hat er in die Marathonvorbereitung noch drei Stunden Rumpfstabilisation und hunderte Kilometer auf dem Rad investiert. Und dazu habe ich leider, leider keine Zeit. Und ehrlich gesagt auch keine Lust – das Rad ist für mich immer noch primär ein Verkehrsmittel. Also wird es nix mit der Sub 3 (davon abgesehen, dass ich auch schon über eine Sub 3:30 froh wäre). Denn erschwerdend hinzu kommt die Tatsache, dass man außerdem ein ziemliches Talent braucht, um eine solche Zeit überhaupt laufen zu können.

Etwas desillusioniert, mit vielen neuen Anregungen, aber auch schon wieder irgendwie hungrig verließ ich die Runners‘ Night und die Satory-Säle (im übringen ein toller Veranstaltungsort) in Richtung Hotelzimmer. Dort wartete mein verdientes Betthupferl, und die letzte Ombar verschwand getreu dem Motto „aller guten Dinge sind drei“ in meinem Magen. Vielleicht nehme ich mir dieses Motto auch für die dritte Runners‘ Night zu Herzen und fahre hin – trotz der kleinen Mängel im Hinblick auf Aktivität und Verpflegung. Und dann nehme ich auch am gemeinsamen Lauf über sieben Brücken – aber ohne Peter Maffay – am kommenden Morgen teil. Denn den habe ich leider verpennt. Zuerst war ich frustriert, aber dann habe ich einfach ein spontanes Fahrtspiel inklusive Outdoor-Fitness-Parcour bei schönstem Sonnenwetter im Kölner Stadtpark absolviert. Und so gilt wieder die Idee, dass sich für jede Tür, die sich verschließt, eine neue öffnet. Herrlich.

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