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Psychologie und Laufen für nachhaltige Gesundheit

Nachhaltig gesünder.

10. Januar 2017

Mein Neujahrsvorsatz für 2017: Einfach schlechter laufen!

 

laufen-am-strand

Im letzten Blog-Beitrag habe ich beschrieben, wie ich meine berufliche, aber auch private Jahresplanung gestalte und dafür plädiert, sich konkrete Ziele in den unterschiedlichen Bereichen zu setzen. Leider bin ich trotzdem oder zusätzlich anfällig für Neujahrsvorsätze. Und das, obwohl eigentlich total klar ist, dass mit diesen Vorsätzen das gleiche passiert wie mit neuen Fitnessgeräten für das Training zuhause: Zuerst ist man voll begeistert dabei, und im Laufe des Jahres verstauben die Teile in irgendeiner Ecke der Wohnung bzw. des Gehirns. Deshalb nimmt man die Vorsätze ja auch gerne mal mit ins nächste Jahr (im Gegensatz zu den Fitnessgeräten, da kann man ja so schön neue kaufen). So geschehen auch bei mir – und zwar mit dem Vorsatz, beim Laufen mal endlich „von dem Leistungsding wegzukommen“.

Vom Leistungsding wegkommen? Oh je, Frau Coach, das ist aber wirklich nur ein Vorsatz und kein Ziel. Da kann ja nix draus werden, wenn ich das so wenig „smart“ formuliere (SMART steht für: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert): Es ist nicht konkret (was zur Hölle ist das LeistungsDING?), es ist nicht messbar (woran erkenne ich, dass das Leistungsding weg ist?), und ein Datum, an dem ich vom Leistungsding geheilt sein will, fehlt ebenfalls. Im Prinzip finde ich es zwar durchaus attraktiv, mit weniger Leistungsdruck und deutlich entspannter an meine sportlichen Projekte heranzugehen. Aber leider, leider, leider finde ich sportliche Leistungen nach wie vor auch immer noch ein klitzekleines Bisschen cool. Und wie realistisch ist es dann, dass ich diesen Vorsatz auch in die Tat umsetze? Damit aus meinem Vorsatz ein Ziel werden kann, ist es also nicht nur notwendig, ihn entsprechend anders zu formulieren, sondern auch genauer zu untersuchen, was Leistung für mich bedeutet und warum dieser Wert (bisher) für mich so wichtig ist.

Vermutlich handelt es sich dabei wie bei so vielen psychologischen Mechanismen um „ein multifaktorielles Geschehen“. Einer meiner Psychologieprofessoren erklärte uns in einem Seminar, dass wir diese Formulierung immer dann verwenden können, wenn wir absolut keine Ahnung haben, wie etwas zusammenhängt :-). Ich denke aber tatsächlich, dass (m)ein Leistungsmotiv durch verschiedene Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen, entstanden ist: Zum einen hat es etwas damit zu tun, dass ich ein Lehrerskind bin. Lehrer bewerten täglich Kinder nach ihren Leistungen, und ich befürchte, dass dieses Verhalten bei manchen so in Fleisch und Blut übergeht, dass sie das auch immer mal wieder bei ihren eigenen Kindern tun. Zum anderen haben sicherlich unsere gesellschaftlichen Wertmaßstäbe dazu beigetragen, denn der Begriff „Leistungsgesellschaft“ kommt ja nicht von irgendwoher. Und nicht zuletzt sind Leistungen auch für mich ein Mittel, um Anerkennung zu erhalten und den Selbstwert zu stärken.

Wie auch immer es in meinem Fall gewesen ist – Leistung war für mich vor allem in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter ein wichtiger Wert, der meine beruflichen und sportlichen Aktivitäten stark beeinflusst hat. In den letzten Jahren stelle ich diesen Wert aber immer mehr in Frage. In beruflicher Hinsicht gelingt es mir zunehmend, Erfolg und Leistung so zu definieren, dass ich zwar selbstständig bin, aber eben nicht immer selbst und ständig arbeiten muss, um mit den Ergebnissen meiner Arbeit zufrieden zu sein. Nur beim Laufen will das einfach nicht so recht klappen. Da ärgern mich vierte Plätze und Minütchen über der PB manachmal noch tagelang. Nicht primär, aber auch aus diesem Grund habe ich im letzten Jahr die Ausbildung zur Lauftherapeutin am Deutschen Lauftherapiezentrum begonnen. In der Lauftherapie haben Leistungsansprüche nichts zu suchen, und wenn ich eine gute Lauftherapeutin werden will (da isses wieder, das Leistungsding :-)), dann muss ich an meiner eigenen Leistungsorientierung arbeiten. Dabei hilft mir im Moment ein Coaching-Tool – die schlichte Frage: „Wozu“? Das frage ich im Coaching, um verborgene Motive aufzuspüren – und zwar so lange und immer wieder, bis der Klientin oder dem Klientin nicht mehr einfällt, warum etwas Bestimmtes eigentlich so wichtig ist. Und dann wird es interessant.

Wozu sollte ich also versuchen, doch noch einmal die 3:30er-Marke im Marathon oder die 1:30 über die halbe Distanz zu knacken? Mir fällt eigentlich schon direkt keine sinnvolle Antwort darauf ein. Denn ich bin ja keine Leistungssportlerin. Und das Plus an Trainingsaufwand, das ich dafür betreiben müsste, steht in keinem Verhältnis zum Maß der Verbesserung von ein paar Minuten. Für Nichtläufer ist es ohnehin völlig rätselhaft, warum für uns Läufer ein paar Sekunden weniger pro km so schwierig zu erreichen und ein paar Sekunden über oder unterhalb einer Stundengrenze so entscheidend sind. Also laufe ich ab sofort nur noch zum Spaß. Da kommt mir meine Knieverletzung doch sehr gelegen (vermutlich hat mein kluger Körper die sogar eigens produziert, damit ich gar nicht erst in Versuchung gerate). Also heißt es: Bye bye, Katja Kampfschwein, welcome Katja Konfuzius. Und wer weiß, vielleicht laufe ich so entspannt dann doch noch einmal schneller…hach, das wäre schön.

Erstellt von lauf · Kategorien: Gesundheit, Laufen, Psychologie

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